In Memory of Paul

„Wer ist eigentlich Paul?“

Manche erinnern sich vielleicht noch an die damalige Fernsehwerbung für ein Lebensmittelprodukt. Nein, darum soll es hier nicht gehen, auch wenn ich eben zu Informationen gekommen bin, dass man auch Wodka (in Maßen natürlich) auch in sein Meerwasserbecken kippen kann. Nicht damit die Fische mal ein wenig Abwechslung haben, sondern damit man seine Wasserwerte in Bezug auf Nitrat und Phosphat in den Griff bekommen kann.

Es geht bei Paul auch nicht um das nervige kleine Nachbarskind, dass vor Jahren direkt neben uns gewohnt hat und man immer nur die Eltern rufen hörte PAUL! oder PAUL, LASS DAS!, wenn er denn wieder einmal Unsinn gemacht hatte oder einfach nicht hören wollte.

Nein, mit Paul meine ich unseren allerersten Fisch in unserem großen Meerwasseraquarium auf dem Flur.

Aber wie kamen wir zu unserem Paul, was ist Paul und wieso in „Memory of“? Fragen, die sich dem Leser jetzt stellen mögen, aber es soll auch prompt Antworten geben.

Wie bereits in einem älteren Post berichtet haben wir seit Anfang 2008 ein eigenes Meerwasserbecken. Damals haben wir bereits eingefahrene lebende Steine von unserem Meerwasserhändler des Vertrauens bekommen und konnten somit die überall im Internet beschriebene Einfahrphase überspringen. Der erste krabbelnde Bewohner und somit auch Wassertester war unser Einsiedlerkrebs Archibald. Bei genauem Betrachten unseres neuen Beckens vielen uns aber irgendwann auch die fast überall unter den Meerwasseraquarianern unbeliebten Glasrosen auf. Sie können zu einem Fluch werden und zum Beispiel andere Korallen so stark vernesseln, dass diese dann absterben. Mit Glasrosen ist also nicht unbedingt zu spaßen. Über unseren Fund im Aquarium setzten wir unseren Meerwasserhändler in Kenntnis und bekamen prompt Lösungsvorschläge. Einen Teil davon hatten wir auch schon selbst im weltweiten Datennetz recherchiert und probiert. Aber da gab es noch eine andere interessante Lösung. Es handelte sich dabei um einen Fisch, einen sogenannten Seegrasfeilenfisch (Acreichthys tomentosus). Der Name hat Dany zwar nicht viel gesagt, aber wir versuchten unser Glück und somit haben wir uns Ende Februar 2008 für unseren Paul entschieden und ihn mit nach Hause genommen.

Seegrasfeilenfische gelten unter Meerwasseraquarianern als Glasrosenvernichter, geben dazu aber keine Garantie. Man kann also auch einen Seegrasfeilenfisch erwischen, der Glasrosen nicht auf seinem Speiseplan beinhaltet. Nun gut… wir waren mit Paul wieder gut in Wernigerode gelandet und nun ging es an die Wassergewöhnung vor dem Umsetzen. Beim Blick in den Beutel mit Paul bekamen wir aber als noch ein wenig unerfahrene Seegrasfeilenfisch-Besitzer (was ein Wort) einen kleinen Schrecken. Paul schwamm mit seinem Hinterteil oben und wirkte eher wie ein Blatt im Wasser, als ein Fisch. Irgendwann, nach etlicher Zeit konnte Maik den Paul dann auch ins große Becken, sein neues Zuhause, umsetzen. Beim Umsetzen waren wir auch noch ein wenig skeptisch, ob diese Methode klappt, aber sie musste sein, denn das Umsetzen eines Seegrasfeilenfisches kann man nicht, wie gewohnt bei Fischen, mit einem Käscher machen. Der Seegrasfeilenfisch besitzt viele kleine Haken an seinem Körper, die man bei genauem Beobachten auch sieht, und er würde sich damit völlig im Netz des Käschers verfangen. Also muss man einen Seegrasfeilenfisch wie Paul mit der Hand in sein neues Becken umsetzen. Das hat auch wirklich gut funktioniert und wir konnten nun endgültig einen neuen Mitbewohner in unserem Becken begrüßen.

Nun fing es also an mit Paul im großen, großen Becken. Wie wird er auf unser Futter reagieren und wie macht er sich sonst? Das mit dem Futter haben wir für die ersten Tage gelassen. Da hatte er sich ordentlich, so wie wir es uns von ihm gewünscht haben, an den Glasrosen vergriffen und sie weitestgehend eliminiert. Dann kam die Frage auf, was geben wir ihm sonst noch zum Fressen. Wir fingen an mit Frostfutter, speziell mit Mysis. Da stand der Kleine drauf und hat es immer ordentlich verdrückt. Wir wollten ihm aber auch Abwechslung bieten und versuchten unser Glück mit Flockenfutter, denn mittlerweile hatten wir auch noch 2 kleine Nemos im Becken, die eher auf Flockenfutter standen. Das Flockenfutter ignorierte Paul aber vollkommen für die Nahrungsaufnahme und lies es immer an sich vorbei ziehen. Also gab es bei uns dann eben immer Flockenfutter und Frostfutter, aber alles in Maßen, denn man muss ja auch auf die Wasserwerte achten.

Paul kam in unserem Becken gut zurecht. Damals, beim Kauf von Paul, sagte unser Meerwasserhändler, der Fisch sieht zwar häßlich aus, aber er erfüllt seinen Zweck. Nun gut, Recht hat er ja mit dieser Aussage. Ein Seegrasfeilenfisch würde nie einen Schönheitswettbewerb gewinnen, aber die Glasrosen waren wir mit Paul los. Und ganz nebenbei, der Paul sah zwar nicht so süss aus, wie zum Beispiel ein Anemonenfisch, aber irgendwie war er cool. Seegrasfeilenfische wirken immer so ein wenig gestört :-) Sie können ihre Augen drehen. Sie halten inne mit dem Schwanz nach oben und schlafen teilweise auch so. Paul hat immer unter unserer Futterpumpe ausgeharrt und genächtigt :-) . Ebenso können Seegrasfeilenfische auch ihre Farbe ändern und somit teilweise an die Umgebung anpassen. Wenn Paul auf der Pirsch war, musste man ein manches Mal schon genauer hinsehen, um ihn zu entdecken.

Hier mal ein Bild von unserem Paul:

Paul

Wir hatten sogar mittlerweile Paul soweit, dass er Dany aus der Hand gefressen hat.

Alles schien bestens. Aber leider kam dann eines Tages auch der Abschied von unserem Paul. Es fing schon 2 Tage vorher an. Wir hatten seit etlichen Wochen auch einen Röhrenwurm in unserem Becken und Paul war friedlich. Eines Abends fanden wir dann aber die Krone vom Röhrenwurm, dachten uns aber nichts dabei, da sie auch ohne Probleme nach wuchs. Dann aber fehlte wieder die Krone und wir mussten sehen, dass, wenn Paul sich unbeobachtet fühlte, er unseren Röhrenwurm angriff. Er machte sich über diesen her und dem Röhrenwurm war leider auch nicht mehr zu helfen. Der Röhrenwurm war hinterher durchlöchert wie ein Schweitzer Käse. Wir machten Paul aber dafür keine Vorwürfe, schließlich war es ja seine natürliche Veranlagung auch einmal seinen Speiseplan zu erweitern, und Röhrenwürmer stehen wohl ganz oben auf der Liste. 2 Nächte später wählte unser Paul dann aber auch leider selbst den Freitod und sprang aus unserem Becken. Maik konnte ihn dann leider nur noch am nächsten Morgen völlig ausgetrocknet auf dem Fußboden kurz vor unserer Stubentür finden. Jede Hilfe kam zu spät.

Wir vermuten, dass er sich über irgendetwas die Nacht erschreckt haben muss. Eventuell ist er ja der Futterpumpe mit seinem Schwanz zu nah gekommen, aber erfahren werden wir es leider nie.

So bleibt uns nur noch die Erinnerung an diesen verrückten, nicht gerade hübschesten, aber sehr coolen und doch liebenswürdigen Fisch, unseren Paul.

Die Meerwasserbesitzer

~ von Daniela Lutz am 14. September 2009.

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